Swiss Interview: Dread J, Producer/DJ, Lucerne (Techno, House)
Saturday, June 23rd, 2012
DE: Es freut mich sehr, euch ein neues Interview aus der Schweiz zu präsentieren. Dieses Mal hab ich mir Dread J geschnappt. Ein junger Produzent, DJ und Kopf eines Luzerner Labels. Seine Geschichte ist sehr interessant, da er schon seit Anfang der 90er in der Musikszene mitmischt und viele Bekanntschaften gemacht hat. Darunter fallen auch Namen der Detroit Szene oder aus dem Nachbarland Deutschland. Wie viele andere Musiker, treibt auch ihn eine Leidenschaft von alten, legendären Synthis an. So fliessen bei seinen Stücken immer wieder die geliebten warmen Klänge mit ein.
Als Mitwirkender und DJ beim Schweizer Impuls Festival in Luzern, macht sein Name weiter die Runde in der Schweizer Techno Szene und wird uns hoffentlich noch viele weitere Jahre die Ohren beschallen.
Links zu seinen Profilen und das Interview sind gleich unten zu finden.
EN: I really appreciate to present you my next interview from Switzerland. This time I spoke to Dread J, a young producer, DJ and head of a Lucerne based label. His story is really interesting. In the early 90s he started to shape the local scene and met the right people to grow to what he is today. There are even some particular names from the Detroit and Germany Techno scene. As many other musicians, his passion belongs to the legendary and old synths. If you listen to his music, you will soon recognize this warmth of the sounds.
As a participant and DJ of the Swiss Impuls Festival in Lucerne, his name continues to ingrain in the Techno scene. That’s why we hope to hear many other good music from either Dread J himself or the recently founded label Neustadtmusik.
Links to his online profiles and the interview is just below.
Dread J – who stole the soul (snippet):
Links von Dread J:
- Dread J on Facebook
- Dread J on Soundcloud
- Neustadtmusik label online
Interview:
Wie kam es zu deinem Künstlernamen?
Im Jahre 92/93 hatte ich eine Platte gekauft die “Dread” hiess. Diese Platte hat meinen Namen geprägt, da sie mich beeindruckt hat. Es war eine eher kuriose Platte aber richtig gut produziert. Da ich aber nicht nur das Wort Dread wollte, habe ich versucht ein kleines Wortspiel zu gestalten. Schlussendlich ist “Dread J” daraus entstanden.
Wie lange produzierst du schon Musik oder legst auf?
1990 hatte ich meinen ersten Track produzierst. Zu dieser Zeit war es noch mit simplen Mitteln die ich zur Verfügung hatte. Ich mischte Platten rein und habe ein paar Beats mit einem Roland R70 gezaubert. Ich hatte damals von meinem Vater einen Atari 1040 bekommen. Zusammen mit dem ersten Cubase (Version 1.0) habe ich alles zu einem Track zusammen gefügt. Ich hatte damals auch noch keine wirklichen Bekanntschaften in der Techno Szene, also musste ich mir selber weiterhelfen.
Da ich aber ursprünglich mit dem Malen und Töpfern angefangen habe, war mir die kreative Gestaltung schon vertraut. Einzig war es keine visuelle Kunst mehr, sondern auditive. Mich hat schnell das ganze technische Prozedere an der Produktion fasziniert.
Meinen Weg als DJ hatte ich bereits 3 Jahre früher gefunden. 1990 hatte ich die erste Party in Luzern dieser Art auf die Beine gestellt, welche meine Laufbahn als DJ ebnete. Durch MTV im Kabelnetz bin ich auf diese verschiedenen Stile von EDM gestossen. Angefangen hat es mit Oldschool Tracks und ging dann weiter zu Hip House und Tyree Cooper. Acid House war also nur eine Frage der Zeit. Die ganze amerikanische Szene aus Detroit habe ich erst später kennengelernt. Zuerst kam die ganze englische Dance Musik.
Wo liegt dein Fokus beim Auflegen?
Angefangen hab ich ganz klassisch mit Vinyl. Heute bin ich davon aber weggekommen und gestalte meine Sets mit Notebook und Hardware. Mein Fokus liegt dort ganz klar auf Live Acts. Dabei ist mir wichtig, live zu spielen und nicht nur vor Ort den Play Button zu drücken und kleinere Spielereien einzubauen. Der ganze Live Act soll meine persönliche Note und einen Wiedererkennungswert mitbringen. Was ich an Gerätschaften immer dabei habe ist mein Notebook mit Traktor, mein TB-303 und gelegentlich noch das Microkorg. Besonders Spass machen dabei auch die Sample Decks von Traktor. Hierfür benutze ich gerne Loops von Tracks die mir sehr gefallen oder aus meinen eigenen Songs stammen.
Meine Abwechslung in der EDM finde ich beim Live Act oder Auflegen. Wenn ich live spiele dann eher technoidere Acts. Die “deepen” Klangwelten behalte ich mir für meine eigenen Produktionen zurück.
Spielst du ein Instrument / Hast du eine musikalische Ausbildung?
Angefangen hatte ich mit Bläserinstrumenten, dem Kornett und hatte später etwa noch ein 3/4 Jahr Klavierunterricht. Mein Lehrer nannte meine Klavierkünste eine Art Afrojazz, da ich gerne nach Gehör und Gefühl gespielt habe. Eine reine musikalische Ausbildung inkl. Theorie hatte ich aber nie genossen.
Für meinen Teil sehe ich die Theorie nicht im Zentrum meiner Produktionen. Ich unterscheide für mich ganz klar zwischen akkustischer und elektronischer Musik. Bei der elektronischen steht für mich das technische Wissen im Vordergrund. Klar gibt es hie und da ein Manko, wobei ich dann etwas länger benötige um eine ausgefeilte Melodie zu kreieren, aber mir ist schlussendlich wichtiger meine Musik nach Gehör und Gefühl zu produzieren und den Fokus auf das Abmischen, gute groovige Beats, gut eingesetzte Effekte und das Mastering zu legen.
Auf welche Stile konzentrierst du dich, bzw. bist du offen für andere Stile?
Grundsätzlich bin ich sehr offen was die verschiedenen Stile angeht und ich habe auch schon viel probiert. Schlussendlich finde ich mich aber immer wieder bei meinen Wurzeln, dem Minimal, Deep House, Tech House und Techno. Die ganzen Progi und Goa Sachen sind mir eher zu kalt. Mir ist hierbei wichtig, dass der richtige Swing/Groove im Song vorhanden ist und diesen finde ich für meinen Geschmack eher in diesen Genres.
Ich habe mir aber wieder vorgenommen, gelegentlich auch instrumentale Tracks mit z.B. einer richtig guten Stimme zu produzieren. Wenn ich da meine alten DAT Tapes durchhöre, sind dort unter anderem auch einige gute Trip Hop Tracks zu hören.
Eine weitere Leidenschaft die mich noch verfolgt sind audio-visuelle Darstellungen / Installationen. Hierbei geht es aber nicht um extrem abgefahrene oder experimentelle Sachen, sondern um z.B. Leinwand Projektionen mit mit gutem Sound untermalt sind. Hierbei käme dann auch wieder meine visuelle Kunst von damals zum Zuge.
Mit welcher DAW produzierst du deine Musik?
Im Moment arbeite ich mit Ableton, hänge aber zugegebener massen immer noch an Cubase. Ich erhoffe mir künftig Cubase via Rewire zu betreiben, so dass ich die Vorzüge beider DAW’s miteinander verbinden kann. Im Grossen und Ganzen spielt es aber für mich keine Rolle, da der Mensch für die Musik verantwortlich ist die hinten rauskommt. Ich finde man kann durchaus auch mit einem Music Maker ganz tolle und witzige Sachen kreieren.
Was ist dein Lieblings Hardware Synthesizer oder Software Synthesizer?
Bei den Hardware Geräten ist es schwierig sich spontan festzulegen, da jedes seine Stärken und Schwächen hat. Mich faszinieren bis heute ziemlich ein paar Geräte. Ein paar meiner Lieblinge sind aber Jupiter 6. Es hat einen unglaublich guten Hochpass Filter den ich sehr mag. Wohingegen der Juno 106, seine Stärken vor allem im Bass Bereich hat. Was natürlich nicht fehlen darf sind die modularen Moog Synthesizer, wovon ich aber leider keinen besitze.
Bei der Software mag ich den Tassman VST Synth ganz gut. Er hat einen ziemlich geilen Klang. Leider ist aber die Automation dermassen verkümmert, was es oft schwierig macht für gewisse Ansprüche.
Gibt es für dich gewisse “Basics” die in ein gutes Studio gehörten?
Ja, die dich ich heute noch besitze (lacht). Meine Hardware dich ich über die Jahre angesammelt habe, sehe ich als eine Art Lebenswerk. Es steckt viel Geld und Zeit dahinter. Ich habe mit 12/13 Jahren schon angefangen zu sammeln und mit Anzeigen nach Synthies gesucht. Die Hardware die ich besitze sind aber fast alles “nur” Instrumente / Tonerzeuger. Effekte benutze ich fast ausschliesslich die digitalen, welche aus heutiger Sicht gut mit der Hardware mithalten können.
Wie würdest du deine Musik in Worte fassen?
Meine Musik würde ich mit den Stichworten “Groove”, “Bass”, “Wärme” und “Human-Feel” beschreiben.
Was oder wer inspiriert dich beim Produzieren?
Eine Inspirationsquelle sind z.B. Parties / Anlässen bei welchen ich dabei bin, auch wenn die Musik nicht unbedingt meinem Stil entspricht. Ich höre heutzutage auch vermehrt Tracks an die mir sehr gefallen und achte auf gewisse Eigenschaften die mich auf Ideen bringen könnten. Ich bin aber von Haus aus ein kreativer Mensch dem es an Ideen selten mangelt. Was oft eher mangelt ist die Zeit, die Ideen umzusetzen..
Wie kam es zur Gründung des Labels Neustadtmusik?
Mein erstes Label hatte ich etwa 1995 in meiner Detroit Phase gegründet und trug damals den Namen “Dread Industries”. Dort konnte ich bereits meine ersten Erfahrungen sammeln. Letztes Jahr im März 2011 kam es dann zur Gründung des Labels “Neustadtmusik”. Leider ist es heutzutage ziemlich schwierig geworden sich mit einem Label über die Runden zu bringen.
Ich sehe das ganze aber als reine Kultur an. Kultur die den Menschen etwas bietet, die unterhaltet und sich ins soziale Leben einbindet. Daher erhoffe ich mir, dass die Stadt künftig mehr in die Szene eingebunden werden kann und uns mit Fördergeldern unterstützt. Denn das Label besitze ich nicht, um “nur” Geld zu machen, die Leidenschaft und der gute Sound steht dabei im Fokus der ganzen Gründung und Betreibung des Labels.
Was ist bei den neuen Releases zu erwarten?
Das erste Release von Dietrich & Strolch wurde von Decks Records finanziert und vertrieben. Wir haben inzwischen neue Partner und gehen nun mit neuem Elan an neue Releases.
Nader präsentiert uns erstmals seine neusten Beats. Soeben am 19. Juni 2012 ist die neuste EP auf Neustadtmusik von Nader erschienen. Unter anderem ist auch ein Remix von Paul Brtschitsch wie auch von mir, Dread J, vorzufinden sein. Ein kleiner Ausschnitt gibts gleich im Anschluss der Frage. Hinzu kommt, dass in den nächsten 2 Monaten auch noch ein neues Release von Dietrich & Strolch zu erwarten ist.
Auf was wir weiterhin achten, dass wir künftig auf Vinyl und Digital setzen, da das Gefühl einer Platte in den Händen nicht fehlen darf. Vom Stil her soll es nicht allzu kommerziell werden. Wir möchten vielmehr einen guten Mittelweg einschlagen zwischen Underground und Kommerz. Immerhin möchten wir viele Leute erreichen. Die ganzen Social Media Plattformen spielen dabei auch eine sehr grosse Rolle. Soundcloud bietet eine super Plattform für den Upload der Musik und Facebook ist ideal für die Veröffentlichung von Events. Da wir viele Leute erreichen möchte, nutzen wir auch gerne die freien Medien die zur Verfügung stehen.
Zudem sind wir immer auf der Suche nach neuen Talenten. Entweder erhalten wir Demos zugeschickt oder durchsuchen selber die Soundcloud nach interessanten Künstlern.



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